"Warum nennt ihr das vegane Wurst oder Schnitzel?!" - Über vegane Alternativen und wieso sie wichtig sind

Januar 21, 2018

Im gleichen Atemzug zu dieser Aussage kommt dann oft auch noch ein „Das ist doch Heuchelei“. Ich habe früher nie geglaubt, dass es wirklich so viele Menschen gibt, die so etwas sagen, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Ungelogen, das ist die häufigste Aussage, die ich hören oder lesen muss. Deswegen muss ich heute einfach mal ein paar Worte dazu rauslassen.

Sommer 2017: Der EuGH verbietet, dass Pflanzendrinks als „Milch“ bezeichnet werden dürfen, genauso auch alle Bezeichnungen, die für Milchprodukte zählen, wie Joghurt oder Käse. Begründung war der Verbraucherschutz, immerhin könnte man bei der Bezeichnung „Pflanzlicher Käse“ ja auf die Idee komme, dass es richtiger Käse sei. Aha. 
Problem ist, dass bei der Bezeichnung „Pflanzendrink“ die meisten Menschen daran denken, dass automatisch Zucker und Aromen zugesetzt sind, was überhaupt nicht stimmt. Viele Pflanzendrinks kommen mit 3 Zutaten aus, nämlich Wasser, der Pflanze und Salz. Hinzu kommt, dass es genügend weitere Produkte gibt, die „Milch“ im Produktnamen haben und nicht verboten wurden. Kokosmilch steht seit Jahren in den Regalen der Supermärkte rum und es hat niemanden gestört.

Verbrauchertäuschung ist Erdbeerjoghurt, in dem keine einzige Erdbeere ist. Mit Zuckerkulör eingefärbtes „Vollkornbrot“. Shrimps aus billigem Surimi. Bio- und Fairtradeprodukte, welche die Siegel absolut nicht verdienen. Aber neeeein, kümmern wir uns lieber zuerst um die Fake-Milch.

„Warum braucht man sowas überhaupt, wenn man doch vegan leben und auf tierische Produkte verzichten will?“ Ja es stimmt, Veganer wollen auf tierische Produkte verzichten. Wichtig ist hier aber das Warum! Ich kenne keinen Veganer, der so lebt, weil ihm Fleisch und Milch nicht geschmeckt haben. Gerade Käse hat seine süchtigmachende Wirkung auch bei uns nicht verfehlt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir es aus ethischen Gründen nicht mehr konsumieren wollen.

Jetzt stell dir vor du bist ein Neuling auf dem veganen Gebiet, vielleicht hast du vorher nicht wirklich gesund gegessen und Gemüse schmeckt dir auch noch nicht so besonders. Du müsstest so von heute auf morgen deine alten Essgewohnheiten KOMPLETT ablegen und dir neue zulegen. Ich kann dir versprechen, das funktioniert in den wenigsten Fällen. Du hast früher gerne Schnitzel mit Pilzrahmsoße gegessen aber willst einfach das Tierleid nicht mehr fördern? Genau für solche Fälle gibt es die Ersatzprodukte. Sie machen gerade die Umstellung so viel leichter oder können tierische Produkte auch auf Dauer ersetzen. Ich könnte zum Beispiel niemals komplett ohne „Milch und Joghurt“ leben, deshalb greife ich immer zu den pflanzlichen Alternativen oder stell sie sogar selbst her.

„Aber die Ersatzprodukte sind doch alle so künstlich und ungesund“ Ja, viele Ersatzprodukte sind wirklich nicht gesund, was natürlich daran liegt, dass es ganz normale Fertigprodukte sind. Da ist das tierische Äquivalent auch nicht besser oder gesünder. Sie sollten auch nur einen kleinen Teil der Ernährung darstellen! Aber nicht alle veganen Alternativen sind automatisch künstlicher/ungesünder. Die meiste „Milch“ kommt wie gesagt mit drei Zutaten aus, genau wie Produkte aus Tofu oder Seitan. Manche Sachen wirken durch die lange Zutatenliste auch ungesünder als sie sind. Schauen wir uns doch mal Sojajoghurt von Alpro an. Ja, die Liste ist lang und manche Namen sind gruselig. Kuhmilch bzw Naturjoghurt hat überhaupt keine Zutatenliste drauf zum Vergleich! 

Das Ding ist, dass der Kuhmilchjoghurt ja aber auch eine so lange Zutatenliste hätte, wenn man es aufspalten würde. „Milch“ ist ja kein Molekül, sie besteht aus verschiedenen Eiweißen, Fetten, aus Zucker, aus Hormonen und leider oft auch aus Medikamenten, die nicht aufgeführt werden. Deswegen ist die bloße Länge der Zutatenliste kein Argument für mich. Trotzdem steckt in den veganen Fertigprodukten oft genauso viel Müll wie in den herkömmlichen und sollten deswegen auch eine Ausnahme darstellen und im besten Fall nur in der Übergangsphase konsumiert werden.

„Ok, ok, jetzt wissen wir, warum Veganer trotzdem Ersatzprodukte essen wollen. Aber muss man das dann unbedingt Schnitzel oder Wurst nennen?“ Ja muss man, aus dem einfachen Grund, damit man auch weiß, was das darstellen soll. Wurst, Schnitzel etc sind lediglich die Formbezeichnungen, denn surprise – Schnitzel ist nicht die natürliche Form eines Schweins. Und genauso wie man Schweinefleisch in diese Form bringen kann, kann man auch Soja oder Seitan in diese Form bringen. Außerdem ist es extrem hilfreich, dass man als (Neu)Veganer einfach den Namen eines nichtveganen Gerichts mit „vegan“ in Google eingeben kann und direkt 7868687 Ergebnisse bekommt. Wären die Rezepte nicht mit dem unveganen Titel gekennzeichnet, würde man sie nie finden. Oder versuch mal dein Glück mit „Ausgewaschenes Weizenmehl, gekocht und gewürzt, plattgedrückt und mit Wasser sowie Paniermehl ummantelt, garniert mit einer Soße aus Sojabohnen und Champignons“. Seitanschnitzel mit veganer Pilzrahmsoße wird besser funktionieren ;)

Kommentare:

  1. Oh Gott, diese Bestimmung vom EuGH hat mich so aufgeregt (und tut es immer noch)!!! Die beste Antwort, die ich auf diesen Entscheid gelesen habe, war eine Liste mit weiteren "Lebensmitteln", die irreführend sind ... alles voran die SonnenMilch :D

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  2. Liebe Celine,
    danke für diesen tollen Beitrag, mal wieder.
    Ich lese super gerne bei dir, aber das weißt du ja vermutlich schon. :)

    Ich weiß gar nicht wie oft ich mir diese Scheisse (sorry) anhören kann, dass ich mein Schnitzel gefälligst nicht Schnitzel nennen soll. Und daraufhin ebenfalls diese Frage nach dem gesund/ungesund dieser Teile. Es ist doch letztendlich völlig wurst (haha), ob ich mich gesund ernähre oder nicht, mir geht's an dieser Stelle ja primär darum, auf Fleisch zu verzichten. Übrigens bin ich tatsächlich jemand, der Fleisch geschmacklich noch nie wirklich mochte.
    Dass Fleisch auch nicht gesund ist will an dieser Stelle dann auch niemand hören, da diese Menschen ja tatsächlich denken, da sei total viel Eiweiß drin, vor allem im 3€ Schweinefleisch vom Penny.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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