Was ich in vier Jahren als Veganerin gelernt habe

Dezember 20, 2017

In fast vier Jahren lernt man sowieso schon viel und wandelt sich als Mensch. Wenn man aber auch noch seine Ernährung und Philosophie komplett umstellt, kommt da einiges zusammen. Deswegen heute mal die wichtigsten Punkte, die ich in dieser Hinsicht in den letzten vier Jahren gelernt habe.


Ernährung ist ein heikles Thema und man kann sich darüber streiten

Ohja, wer kennt das nicht. Es können richtige Streits darüber ausbrechen, was manche Menschen essen oder eben nicht. Besonders wenn es an die Grundsatzdiskussionen geht, was denn nun gesund und wichtig für die Menschen ist, fliegen regelmäßig die Fetzen. Selbst Mediziner sind sich uneinig. Es existieren teilweise völlig widersprüchliche Studien, die natürlich aber beide richtig sein sollen. 
Ich habe aus diesen Disussionen bisher nur gelernt, dass es kein richtig und kein falsch gibt. Für mich ist eine sehr pflanzenbasierte oder komplett pflanzliche Ernährung das Beste, was ein Mensch tun kann. Für andere ist es eben nicht so, oder sie vertragen das komplett pflanzliche sogar gar nicht. Da muss jeder seinen Weg finden, der sowohl für seinen Körper, als auch für sein Gewissen funktioniert.

Man muss mit Ignoranz und bösen Kommentaren umgehen können

Nicht alle sehen das so, wie ich feststellen musste. Für manche ist man ein regelrechter Freak, nur weil man eben keine tierischen Produkte zu sich nehmen möchte – und das bekommt man auch gesagt. Selbst wenn es nicht so böse formuliert ist, ist es einfach nervig wenn beim Familienessen eine Diskussion darüber ausbricht, ob ich mich nun gesund ernähre, oder ob mir alles Mögliche an Nährstoffen fehlt. Fakt ist, dass meine Werte super aussehen und dass ich mich besser denn je fühle. Zählt das denn gar nicht?


Diese Ernährungsform ist alles andere als einseitig


Tatsächlich hatte ich damals selbst ein wenig Angst, dass ich nur noch Salat essen kann. Weil ich eben so einen uninformierten, katastrophalen Fehlversuch hatte (hier kannst du es nachlesen). Mittlerweile weiß ich es jedoch besser – Es tut sich eine komplett neue Welt an Möglichkeiten auf. Anfangs muss man wirklich ein bisschen kreativ sein, bis man die Rezepte gefunden hat, die einem schmecken, aber irgendwann hat man den Dreh raus. Ich hab dadurch eine ganz andere Bindung zum Essen aufgebaut und weiß es wertzuschätzen.

Geschmack wandelt sich relativ schnell


Ich dachte lange, das sei ein Mythos. Fakt ist, dass ich vor fünf Jahren das meiste Gemüse, Obst und Tofu gehasst habe! Mittlerweile bin ich ein regelrechter Junkie :D Natürlich lernt man auch, wie man Dinge lecker zubereitet (bei Tofu gibt es ja einige Tricks), aber ich kann den mittlerweile auch pur auf dem Brot essen. Früher ging es nur halb frittiert oder in einem asiatischen Curry. Einfach alles öfter essen, auch wenn es anfangs vielleicht nicht so toll schmeckt. Gerade bei Gemüse sollte man sich alleine wegen den gesundheitlichen Aspekten durchkämpfen bis es einem tatsächlich schmeckt. Geschmack ist Gewöhnung.

Gesundheit ist wichtig und Ernährung ist Medizin

Das klingt jetzt esoterischer, als es sein soll. Ich glaube nicht, dass man alle Krankheiten mit gutem Essen beseitigen kann, aber ich glaube daran, dass man viele, viele Beschwerden von vornherein verhindern kann, wenn man darauf achtet, was man zu sich nimmt. Dazu zählen die häufigsten Todesursachen wie Herz-Kreislaufprobleme und Diabetes. Auch Knochenerkrankungen und allgemeine Infekte werden unwahrscheinlicher. Natürlich kann man trotzdem an irgendetwas erkranken, aber die Wahrscheinlichkeit ist so, so, so viel geringer. Außerdem hat man mit einer guten Grundgesundheit auch mehr Reserven, die Krankheit dann besser zu bekämpfen. Interessant dazu ist das Buch „Gesundheit ist kein Zufall“ (klick hier).

Gesunde Ernährung und Selbstliebe gehen Hand in Hand

Selbstliebe war 2017 ja ein großes Thema und auch ich habe mich damit auseinandergesetzt. Für mich zählt dazu aber definitiv auch, dass man seinen Körper soweit respektiert, dass man ihm gute Dinge gibt, statt ihn mit Müll vollzustopfen und ihm seine Arbeit doppelt so schwer zu machen.

Tierische Produkte sind oft versteckt


Um nochmal mehr auf das Vegan-Sein an sich zu sprechen zu kommen: Das ist anfangs gar nicht so einfach. Die Lebensmittelindustrie steckt gefühlt überall tierische Produkte rein. So ist zum Beispiel oft in vermeintlich veganen Produkten doch noch etwas drin. Milchzucker in der Tomatensoße, Molkenerzeugnis in der Pflanzenmargarine. Auch heute überraschen mich noch einige Produkte! Die Zutatenliste lesen ist leider unvermeidlich.

100% vegan ist unmöglich – manchmal muss man Kompromisse eingehen


Ein Punkt, den ich mir auch eingestehen musste. Spätestens wenn man krank wird kommt man um Medikamente, die an Tieren getestet wurden, nicht drum herum. Auch wenn man zum Beispiel nur mit der Pille verhüten möchte. Und manchmal isst man auch mal etwas Unveganes und merkt es erst sehr spät oder auch gar nicht. Gerade in Restaurants kann man sich nie zu 100% sicher sein. Für mich ist es wichtig, so viel wie möglich zu machen. Es muss nicht perfekt sein.

Vegan ist kein bloßer Trend

Das passt perfekt zu Punkt 2, da man sehr oft zu hören bekommt, dass das ja eh nur ein Trend ist und in ein paar Jahren wird man eh nicht mehr so essen. Das mag vielleicht sein, dann liegt das aber daran, dass sich meine Einstellung ändert. Derzeit könnte ich es nicht mit mir vereinbaren, tierische Produkte zu essen und da ist es mir völlig egal, ob das gerade im Trend liegt oder nicht. Denn obwohl es im Trend liegt, ist Punkt 2 immer noch das Schwerste, an der ganzen Ernährungsweise. Ohne feste Überzeugung kann man das gar nicht lange durchhalten. 

Es geht um mehr als nur Tierschutz


Durch die jahrelange Recherche zu Tierrechten kam ich nicht drum rum, auch mal die anderen Missstände in der Welt zu betrachten. Für mich persönlich reicht es nicht, vegan zu leben, da es noch so viel mehr gibt. Es gibt viele Veganer, die sich als Weltretter aufspielen (ja ich muss es leider so ausdrücken) und ja, damit leistet man einen großen Beitrag in vielen Gebieten. Klima und Welthunger sind maßgeblich davon geprägt, ob wir nun tierische Produkte essen oder eben nicht. Aber das ist eben nicht der einzige Faktor und man macht die Welt nicht automatisch zu einem besseren Ort, nur weil man vegan lebt. Da gibt es noch so viel mehr.

Es ist besser vorzuleben als zu missionieren


In der Anfangsphase möchte man an liebsten jeden davon überzeugen. Gerade wenn man erfährt, dass Regenwälder für Tierfutter abgeholzt werden und die Menschen dort hungern, weil ihre Ernte an Kühe verfüttert wird. Oder wenn man die schrecklichen Bilder aus mehr als 90% der Fleisch/Milch und Eierproduktion sieht. Natürlich möchte man, dass das so schnell wie möglich aufhört – Aber an alle (Neu)Veganer glaubt mir, mit missionieren kommt ihr nicht weit. Besonders mit beleidigten Aussagen wie „Fleisch ist Mord!!11!“ treibt man Veganer und Omnis nur weiter auseinander und Menschen sind dadurch nur noch weniger bereit, sich mit solch unangenehmen Themen auseinanderzusetzen. Das beste und auch einfachste ist es, seine neue Lebensweise den Menschen in seiner Umgebung einfach vorzuleben. Viele meiner Freunde wurden mit der Zeit vegetarisch oder vegan und das ohne, dass ich wirklich was dazu sagen musste. Es existieren einfach immer noch viele Vorurteile (dass man krank wird und nur Salat essen kann zum Beispiel) und viele wissen auch gar nicht, was alles vegan ist. Sowas lernen sie vom bloßen Beobachten! Und wenn sie neugierig sind und fragen, sollte man auch sachlich und nett aufklären.

Genau dafür ist übrigens auch diese Kategorie. Wenn es dich interessiert und du Fragen hast, kannst du mich gerne in den Kommentaren ansprechen oder vielleicht findest du die Antwort ja auch schon in einem Beitrag. :) Wenn es dich nicht interessiert bitte ich dich, es einfach zu ignorieren. Ich möchte niemandem etwas aufzwingen. 

Foto von Joanna M. (Name ist anklickbar)

Kommentare:

  1. Liebe Celine,
    ich finde es nervig, dass Menschen es so schlecht aushalten und akzeptieren können, wenn etwas mal anders ist, egal ob auf Ernährung bezogen, auf die Sexualität, Hautfarbe, Feiertage und Co. Diese komischen Aussagen und Fragen dazu treiben mich punktuell wirklich in den Wahnsinn.

    "Für mich ist es wichtig, so viel wie möglich zu machen. Es muss nicht perfekt sein." - das finde ich sehr gut und wichtig. Auch wenn man es vielleicht nicht schafft, vegan zu leben, warum auch immer, könnte man ja dennoch schauen, dass man bewusster lebt und sich ab und an Gedanken darüber macht.

    Der große Vorteil am veganen Essen ist tatsächlich, dass es geil schmeckt. Das sage ich jetzt mal so ganz blöd, aber genau habe ich richtig Bock drauf. Ich ernähre mich nicht vegan, aber vegetarisch (esse ganz selten Fisch, aber das möchte ich auch noch "wegkriegen"), aber ich LIEBE veganes Essen. Selbst Torte und sowas. Wir haben hier ein kleines veganes Café und ich könnte dort immer essen. Zuhause bzw. auf der Arbeit scheitert es meistens am Zeitmangel, aber dass das keine Ausrede sein sollte ist mir bewusst.
    Und genau dieses leckere Essen zieht ja oft Menschen an und schnell merken viele, dass man gar kein Fleisch für den leckeren Geschmack benötigt.

    Danke, mal wieder, für den interessanten Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Nicci

    PS. du hast die Verlinkung deines Fehlversuches und vom Buch "Gesundheit ist kein Zufall" vergessen.

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    1. Hellooo!
      Ohja, ich finde das mittlerweile auch einfach nur noch wahnsinnig anstrengend. Wie du sagtest, es läuft einfach in so vielen Bereichen so. Wünschte mehr Leute würden denken wie du!

      Genau so ist es! Ich merke es gerade selbst wenn es um Plastikmüllvermeidung und Fairtrade/Bio einkaufen geht. Vieles ist einfach aus finanziellen Gründen WIRKLICH nicht machbar und für andere Dinge bin ich einfach noch nicht standhaft genug, weswegen ich noch sehr weit von perfekt entfernt bin. Trotzdem ist ja wohl jeder Schritt in die richtige Richtung ein guter Schritt!

      Ohhhja, ich habe nicht umsonst ein wenig zugelegt seit ich vegan lebe :D Es gibt einfach so viel zu testen und vieles ist einfach umwerfend lecker! Besonders Süßigkeiten sind da wirklich böse haha. Immer sehr schön wenn Nicht-Veganer sowas probieren und total erstaunt sind, wie lecker sowas ist. :)

      Oh vielen Dank, das wird natürlich geändert! Upsiiii

      Grüße,
      Celine

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    2. Ich versuche einfach nicht wertend zu reagieren und mich zu fragen, ob mich das Verhalten oder die Einstellung irgendwie trifft. Und meistens beantworte ich das mit Nein. Es ist doch völlig egal, ob eine Freundin auf Frauen steht, oder vegan isst. Das heißt ja nicht, dass das Konsequenzen für mich hat. Ach, Menschen sind echt anstrengend :-D

      Genau! Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, die die Welt ein Stückchen besser machen. Klingt blöd, aber ich finde es schon cool, mit ner Jute einkaufen zu gehen und sagen zu können "Danke, ich brauche keine Tüte!".

      Das habe ich auch schon oft erlebt. "Das schmeckt aber lecker dafür, dass es vegan ist!" Haha.

      Gerne, ich dachte, ich sage mal bescheid. :)

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