#Veganstories zum Weltvegantag - Wie wurde ich vegan?

November 01, 2017

1.11 ist internationaler Vegantag! Gibt es ein besseres Datum um die neue Kategorie einzuweihen? Ich glaube nicht. Inspiriert wurde ich vom Hashtag #veganstories, den ich erstmalig auf Youtube bei Ira Vampira und Lunarjess gesehen habe. Ich möchte daher heute einfach mal loswerden, wie und warum ich vegan wurde.


Gleich vorweg – mein erster Versuch war ein riesen Fail! Wie fast jedes Kind und Jugendliche/r habe ich immer Tiere geliebt und bin auch mit vielen, vielen Haustieren aufgewachsen. Schon in der Grundschule haben wir eine Futterspendenaktion für ein Tierheim gemacht und auch sonst wollte ich Tieren helfen, wo ich nur konnte. Trotzdem habe ich mir nie Gedanken über mein Essen gemacht – das isst doch jeder so, was sollte daran falsch sein?

Mit 14/15 fing es dann langsam an, dass ich darüber nachgedacht habe. Zu der Zeit hat der „Vegan-Trend“ gerade begonnen und demnach hat man viel dazu im Internet und im Fernsehen gesehen. Ich muss zugeben, dass ich Veganer laaange nicht verstanden habe. Nach einigen der typischen schockierenden Videos, die man im Netz so findet, wurde ich dann Vegetarierin. Veganer fand ich immernoch dumm – Milch und Eier geben die Tiere ja schließlich sowieso und freiwillig, also was sollen die unnötigen Einschränkungen?

An diesem Gedanken sind einfach so viele Fehler. Denn vegan leben bedeutet meiner Meinung nach nicht, sich einzuschränken und nur noch rohes Obst und Gemüse zu essen. Es ist einfach eine Umstellung. Hinzukommt die Erkenntnis, dass Milch und Eier nicht besser oder sogar schlimmer als Fleisch sind. Ich möchte hier in dem Text keine Aufklärungsarbeit leisten, das machen andere viel besser und ausführlicher als ich. Deswegen verlinke ich dir einfach mal ein paar Texte und Dokus – Aber ich erspare dir die Schockvideos. Ich weiß, dass sich das viele nicht ansehen wollen und das ist auch ok – solange man die Augen nicht komplett verschließt sondern sich anderweitig informiert.

Nach ca. einem Monat als Vegetarierin dachte ich mir dann „Scheiße, so bringt das doch gar nichts! Milch und Eier sind viel schlimmer“, also wurde ich von heute auf morgen vegan. Hier nochmal ein großes Dankeschön an meine Eltern, dass ihr mich immer so unterschützt habt! Trotzdem ist der Versuch grandios in die Hose gegangen. Ich hatte einfach noch gar keine Ahnung davon. Ich wusste nicht was es für Alternativen gibt und was alles zu tierischen Produkten zählt. Daher ist mehr als einmal Margarine mit Molkenerzeugnissen auf meinem Brot gelandet und irgendwann hatte ich das Gefühl, nur noch Brot mit Marmelade essen zu können. Denn ich hatte zu dem Zeitpunkt das Problem, dass ich kaum Gemüsesorten mochte und auch Obst fand ich jetzt nicht so geil. Auch hatte ich gar keine veganen Freunde, die mir hätten Tipps und Ermutigungen zukommen lassen können. Also habe ich aufgegeben und habe zurückgeschraubt. Vegetarisch musste reichen, auch wenn ich ab dieser Phase nie wieder komplett ohne schlechtes Gewissen Milch- und Eierprodukte essen konnte.

In der Zeit habe ich dann viele Youtubekanäle entdeckt, die sich mit veganer Lebensweise auseinandersetzen und gerade für Neulinge wunderbare Tipps parat haben. Besonders Lunarjess (klick hier) hat mir so weitergeholfen! Ich habe alle Videos die damals online waren durchgeschaut und mich auch auf anderen Seiten und verschiedenen Blogs dazu informiert. Das Ganze war eine Recherchearbeit von mehreren Monaten und ich muss sagen, dass ich auch heute noch nicht fertig bin und regelmäßig dazu lese. Auch mit den Ethikdiskussionen der Tierrechtsbewegung und den dazugehörigen Philosophen habe ich mich auseinandergesetzt. Nach all dem konnte und wollte ich dann wirklich kein Teil der Probleme mehr sein. Der Entschluss, vegan zu werden, war gefasst. Und diesmal endgültig.

Fast vier Jahre ist das jetzt her und seit dem hat sich so viel getan! Die Anfangsmonate waren wie erwartet holprig aber mit der Zeit wurde es immer einfacher. Anfangs dauerte das Einkaufen so lange, weil man jede Zutatenliste genau lesen und gegebenenfalls sogar googlen musste. Später kennt man die Fallen und Tücken und findet man auch viele Produkte, zu denen man immer wieder greift ohne lesen zu müssen.

Außerdem habe ich nach ein paar Monaten auch angefangen, den Lebenstil auf mehr als nur die Ernährung auszuweiten. Wieso erst so spät? Weil ich erst mal alles an unveganer Kosmetik aufbrauchen wollte. Ich hätte auch gar kein Geld gehabt, um von heute auf morgen alles neu zu kaufen. Und wegwerfen hilft keinem Tier weiter! Auch mein Paar Lederschuhe habe ich noch getragen, bis sie komplett fertig waren und habe mir dann eine tierleidfreie Alternative gesucht.

Auch meine Gemüse- und Obstphobie hat sich mittlerweile in das genaue Gegenteil verwandelt! :D Anfangs hab ich es immer stark verarbeitet gegessen (also als Lasagne, Auflauf, paniert, frittiert), sodass es mir überhaupt geschmeckt hat. Allerdings ist es wirklich kein Mythos wenn man sagt, dass sich die Geschmäcker ändern können. Ich denke da muss man als Gemüsehasser einfach durch, nicht nur um Tiere zu schonen, sondern allein auch schon aus gesundheitlichen Gründen.


Nach und nach wurden immer mehr Leute in meinem Umfeld vegetarisch oder sogar vegan, was mir die Sache natürlich noch weiter erleichtert hat. Spätestens nachdem mein Freund auch umgestellt hat ist es das Leichteste und Normalste der Welt für mich. Wenn man zuhause gar nichts Unveganes hat, erleichtert es die Sache natürlich enorm. Trotzdem konnte ich es auch zuhause bei meinen Eltern durchziehen – das ist nicht unmöglich!

Das Schwierigste am ganzen Vegan sein sind meiner Meinung nach immer noch die „Diskussionen“ mit eingefahrenen Fleischessern. Ich bin wirklich kein militanter Veganer und binde das jedem auf die Nase, aber wenn es dann irgendwann eben zur Sprache kommt, bekommt man einfach STÄNDIG einen dummen Spruch gedrückt. Das erste Jahr über konnte ich mir gefühlt jeden zweiten Tag sowas anhören. Irgendwann gewöhnen sich die Leute aber zum Glück dran und ich habe das Gefühl, in den letzten zwei Jahren wurde vegan immer „normaler“ und Menschen reagieren nicht mehr ganz so extrem darauf. Im Gegenteil.

Auch der Markt hat sich so angepasst, wodurch es so viel einfacher für Neuveganer ist! ALLES gibt es mittlerweile in vegan, was die Umstellung enorm erleichtert. Ich bin trotzdem der Meinung, dass man sich dann nach der Umstellung nicht nur von Ersatzprodukten ernähren sollte, genauso wie auch tierische Produkte EIGENTLICH einen kleinen Teil in der Ernährung einnehmen sollten. 

Auch die Kennzeichnung ist sehr vorangeschritten, mittlerweile findet man auf vielen Produkten Vegansiegel, die einem das Lesen ersparen. Die Mensa in der Uni Mainz hat beispielsweise auch jeden Tag mehrere (!) vegane Optionen, die auch groß gekennzeichnet sind.


Heute nach mehreren Jahren ist es wie gesagt für mich absolute Normalität. Ich weiß worauf ich achten muss und will, wo man perfekt essen gehen kann und warum ich das Ganze überhaupt mache. Das Wichtigste war für mich wirklich eine AUSFÜHRLICHE Recherche und eine langsame Umstellung. Ich bin trotzdem der Meinung, dass jeder noch so kleine Schritt eine Veränderung mit sich bringt und wertvoll ist. Wichtig ist, dass man sich informiert und nicht die Augen verschließt, wenn man etwas schlecht findet. 
Und jetzt mal Hand aufs Herz – Wer findet Tierleid bitte gut? 

Kommentare:

  1. Liebe Celine, ein ganz toller Beitrag. Wir pendeln seit zwei Jahren zwischen vegetarisch und vegan. Glücklicherweise fangen die Kinder auch immer mehr an zu hinterfragen. Ich finde Deinen Aspekt der langsamen Umstellung total wichtig, weil nur die langfristige Umstellung erfolgreich ist. Liebe Grüsse Isabel

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    1. Helloo,
      dankeschön, das freut mich sehr zu hören! :) ich wüsste noch gar nicht, wie ich das Kindern vorleben würde, aber ich möchte auch keine haben. Finde es aber sehr toll zu hören, wenn die nächste Generation ein bisschen kritischer wird ;)
      Und ja, das sehe ich genauso, habe es ja am eigenen Leib erfahren wie das läuft, wenn man es überstürzt!

      Liebste Grüße zurück :)

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  2. Liebe Celine,
    danke für diesen informativen Beitrag, ich konnte viel für mich mitnehmen.
    Ich lebe vorwiegend vegetarisch, verzichte aber wenn möglich auf Milchprodukte, da ich das, wie du schon erwähntest, fast schlimmer finde als die Fleischsache.
    Eier esse ich sehr gerne, ich achte aber "immerhin" darauf, wo ich sie kaufe (nicht im Einkaufsladen).
    Ich finde deinen Text sehr inspirierend und werde mich auch zukünftig mehr mit der Thematik beschäftigen. Den YouTube Kanal schaue ich mir gerne an.
    Wirst du demnächst noch mehr über die Thematik berichten? Mich würde beispielsweise interessieren, welche Kosmetikprodukte du nutzt.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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    1. Helloooo!
      Das freut mich wirklich sehr, sehr zu hören! Und ja, ich werde regelmäßig dazu schreiben :) Unter der neuen Kategorie "Herzenssache" findest du jeweils eine Unterkategorie zu genereller Nachhaltigkeit und eine Unterkategorie zum Tierschutz. Über Kosmetik werde ich definitiv auch noch schreiben!
      Freut mich, dass du dann öfter vorbeischauen wirst :) Finde aber auch, dass du scheinbar schon sehr bewusst lebst. Das ist das Zauberwort finde ich, 100% perfekt wird eh nie funktionieren.

      Liebste Grüße zurück,
      Celine

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    2. Super, dann werde ich dort mal stöbern :) Danke!
      Da hast du recht. Und ich finde auch, dass es wichtig ist, sich generell ein wenig damit zu beschäftigen, als völlig ignorant und egoistisch zu sein.
      Wenigstens Toleranz könnte man zeigen.

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