DAS Studium für Bücherwürmer, oder? - Germanistikstudium - Meine Erfahrung

September 27, 2017

Aufsätze schreiben, Goethe lesen, Interpretation abtippen, fertig. So oder so ähnlich stellen sich wahrscheinlich viele das Germanistikstudium vor. Du liest gerne und hattest auch immer gute Noten in Deutsch? Das ist schön. Bereitet dich aber nicht automatisch auf diesen Studiengang vor.

Ich studiere seit zwei Semestern im Kernfach Germanistik und muss zugeben, ich habe mir was anderes vorgestellt. Im Gegensatz zu vielen meiner Kommilitonen macht es mir aber mehr Spaß, als erwartet! Tatsächlich habe ich mir das Studium so vorgestellt, wie im ersten Satz beschrieben. Deutschunterricht eben. Pustekuchen!

In Germanistik nimmt man unsere Sprache so weit auseinander wie es nur geht. Es ist gegliedert in Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft, wo man später einen Schwerpunkt legen muss, um über diesen dann seine Bachelorarbeit zu verfassen. Diese Schwerpunktsetzung fängt bei mir an der Uni jetzt erst im dritten Semester langsam an.

Das erste Jahr über kamen nur die Basics – im ersten Semester die Grundlagenmodule für die Literaturwissenschaft sowie eine Einführung in die Sprachwissenschaft, im zweiten Semester dann die Grundlagen der Sprachwissenschaft. Ich muss sagen, dass mich die Literaturwissenschaft mehr reizt, aber beides hatte seine Vor- und Nachteile.

Um weiter mit den Vorurteilen aufzuräumen – Nein, in der Literaturwissenschaft liest man nicht nur Bücher und Interpretiert diese. Es geht auch sehr viel um Narration und Rhetorik allgemein, sodass man auch die Theorien dahinter lernen muss. Dann gibt es auch noch Mediävistik – DAS Hassfach für die meisten. Ich persönlich fand es zwar schwer aber super interessant! Es bezeichnet ganz einfach die Kultur und Literatur des Mittelalters. Man lernt Mittelhochdeutsch zu übersetzen, was leider wirklich VIEL schwieriger ist, als ich dachte. Ist ja immerhin auch Deutsch, oder? Naja, da kann man drüber streiten. An anderen Unis muss man wohl auch noch die alten Handschriften lesen können, das blieb uns zum Glück erspart – es war schon mehr als genug Stoff für ein Semester!

Diesen Teil greift man dann in der historischen Sprachwissenschaft auch wieder auf. Hier lernt man, wie und vor allem warum sich unsere Sprache so entwickelt hat und man vergleicht sie mit anderen und betrachtet oberflächlich auch deren Entwicklung. Auch dieses Fach war schwierig aber wahnsinnig interessant. Ich hatte ganz oft Mind-blown-Momente!

Ich persönlich kann in meinem Fazit nur zwei leicht negative Punkte an meinem Studium ansprechen. An dem einen kann der Studiengang nichts ändern, denn es geht darum, dass ich täglich mehrere Stunden pendle (hier habe ich einen eigenen Beitrag dazu geschrieben - Klicke einfach hier ). Der andere Punkt sind die ständigen Fragen und negativen Kommentare, was man mit so einem Studium denn bloß anfangen soll. Das schürt extreme Zukunftsängste (Klicke hier, um zu dem Beitrag zu kommen ) und lässt einen oft zweifeln. Wenn man dann nicht wie ich zu 100% glücklich ist, liegt abbrechen oder wechseln nahe.  

Abschließend will ich nochmal hervorstellen, dass das Germanistikstudium nichts mit dem Deutschunterricht in der Schule zu tun hat und dass du das bitte nicht erwarten sollst. Sonst wirst du wie viele andere eine ziemlich böse Überraschung erleben, wenn das Studium plötzlich ganz anders ist, als erwartet. Auch eine Vorliebe für Bücher reicht nicht aus. Aber sie hilft natürlich. ;)

Kommentare:

  1. Schöner Beitrag :)
    Ich studierte germanistische Sprachwissenschaft und deutschsprachige Literatur im Zweifachbachelor, hab also bei beiden den Schwerpunkt gehabt. Aber auch ich dachte am Anfang, dass es wie der klassische Deutschunterricht wird. Wurde es nicht, aber mir gefiel es auch um Längen besser.
    Meinen Master mache ich jetzt in Komparatistik, das fasst die beiden anderen Fächer ganz gut zusammen, lässt aber auch noch Kunst und Medienwissenschaften sowie Gender Studies miteinfließen.
    Mein Hassfach war allerdings Phonetik :D Mediavistik ging, aber bei Phonetik hatte ich echte Probleme.

    Liebe Grüße!

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    1. Ach das klingt ja auch cool :) Weiter unten hab ich jetzt die Erfahrung gelesen, dass es tatsächlich leute gibt, die auch Deutschunterrichtserfahrungen gemacht haben :o aber ich hab bis jetzt von jedem gehört, dass es nicht so ist.

      Phonetik war echt richtig beschissen, da muss ich dir zustimmen xD Hoffe das kommt nicht nochmal, hatte im ersten Semester die Grundlagen und jetzt im zweiten wurde es intensiv behandelnd.. Reicht jetzt mal :D

      Grüße zurück! Danke für den Kommentar
      Celine

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  2. Hey Celine,
    danke für deinen kleinen Einblick in das Germanistik-Studium. Eine Freundin von mir hat das Studium abgebrochen, weil sie es sich ganz anders vorgestellt hat, eine andere geht darin total auf. Ich selbst hatte auch mit Germanistik geliebäugelt und weiß bis heute nicht, ob es mir nicht vielleicht besser gefallen hätte als mein jetziges Studium, aber vermutlich werde ich das auch nicht mehr erfahren. Ich mag es - nach meinem laienhaften Wissen - die Sprache auseinanderzunehmen.
    Liebe Grüße und viel Erfolg für dein weiteres Studium,
    Katharina

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    1. Helloou!
      Ja, ich glaube da gibt es kein dazwischen. Entweder liegt einem sowas und es macht Spaß, oder man sollte es besser lassen. Aber wenn du sowas gerne machst, sind das eigentlich schon gute Voraussetzungen ;D
      Vielen Dank, dir auch noch viel Erfolg und Spaß in deinem Studium!
      Celine

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  3. Liebe Celine,

    ich musste gerade so schmunzeln. Weshalb? Weil ich den Bachelor in Germanistik und Geschichte gemacht habe und den Master in Literaturwissenschaft. Weil ich mich auf die Mediävistik damals gestürzt habe und weil ich es geliebt habe mittelhochdeutsche Texte zu "übersetzen".
    Die dummen Sprüche kamen auch bei mir im Umfeld immer mal, aber im Endeffekt darf man sich nicht verunsichern lassen. Natürlich gibt es sehr viele, die Germanistik studieren, aber wenn man sich in seinem Kerngebiet gut auskennt, findet man auch den ein oder anderen tollen Job. Mach dich nicht verrückt und vor allem, mach beim Spezialisieren nur das, was dir wirklich Freude bereitet. Denn nur so kannst du dich so richtig spezialisieren. =)

    Liebe Grüße
    Tamara

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    1. Helloou!
      Germanistik und Geschichte ist auch die häufigste Kombination oder? Ich hab Germanistik und Kunstgeschichte, zählt auch, würde ich sagen :D
      Super cool, endlich mal jemand, der das auch mochte! Ich hatte nur voll Angst vor der Klausur da, weil das so schnell ging und man quasi ne neue Sprache in einem Semester lernen musste, das hatte mich schon sehr gestresst :D

      Sehe ich genauso! :) schön, dass du deinen Weg so gegangen bist. Und ja, es gibt viele Germanisten, aber es gibt auch unendlich viele Jobs, die man damit machen kann. Man muss halt wollen.

      Liebste Grüße und danke für den Kommentar!
      Celine

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  4. Ich habe nie und wollte nie Germanistik studiert und werde es mit meinen fast 40 Jahren wohl auch nicht mehr tun, aber Dein Artikel ist so interessant, dass ich mir denke "Wieso hast du nicht Germanistik studiert". Was nämlich für manche ein Abturner sondergleichen ist, reizt mich wieder umso mehr, wie z.B. Mediävistik.
    Ich wünsche Dir noch viel Kraft und Durchhaltevermögen für Dein Studium und habe vor allem viel Spaß dabei *g*.
    Liebe Grüße aus Wien

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    1. Helloouu!
      Oh nein, ich wollte dich nicht in eine Lebenskrise stürzen haha :D Mediävistik ist echt so ein typischer Fall von "entweder man liebt oder hasst es - Nichts dazwischen". Leider macht es nur einen kleinen Teil aus, also kann ja gut sein, dass dir der Rest nicht so gefallen hätte :)

      Vielen Dank und liebste Grüße zurück nach Wien!
      Celine

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  5. Hi Celine,

    ich war kurzzeitig am Überlegen, ob ich ein Germanistikstudium machen soll, aber mich hat genau der Gedanke an den Deutschunterricht abgeschreckt :D
    Ich hab mich stattdessen für ein BWL-Studium entschieden und nun festgestellt, dass mir Jura liegt und wohl noch studiert wird - was ich nie im Leben erwartet hätte!
    Ich habe deinen Beitrag zum Pendeln gelesen und beneide dich ein bisschen um die Uni Mannheim - so ein schöner Standort im Schloss! <3 Obwohl Mannheim selber ja nicht sooo der Brüller ist - Heidelberg ist da schon schöner (dort hab ich zwei Jahre gewohnt) :D
    Dumme Sprüche des Studiums kenn ich auch (obwohl es bei mir oft drum geht, dass das viel zu trocken ist und doch gar nicht zu mir passen würde blabla) und denk mir jedes Mal: das kann dem Anderen doch sch***egal sein - mein Leben, meine Entscheidung.

    Liebe Grüße
    Celina

    (Ich hätte gerade fast unsere Namen verwechselt :D)

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    1. Hellooou!
      Oh nein, das ist dann doof, weil es ist wie gesagt alles außer Deutschunterricht :D
      Manchmal entdeckt man eben unerwartete Leidenschaften, schön, dass du was gefunden hast, was dir liegt :) sehr cool.

      Das hast du leider falsch verstanden, ich wohne in Mannheim aber studiere in Mainz :D Das stimmmt, der Standort im Schloss ist schon echt genial! Aber hier muss man eine Geisteswissenschaft mit einem Wirtschaftsfach kombinieren, also zum Beispiel Germanistik und BWL, aber das interessiert mich kein Stück und würde mir auch keinen Spaß machen. Auch wenn ich dann nicht so weit fahren müsste zur Uni, weil ich relativ nah an der Uni wohne.

      Gute Lebenseinstellung! ;) Genau so ist es.

      Haha ich musste auch zwei mal hinschauen :D:D
      Grüße zurück, Celine

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  6. Ich lese gern solche Erfahrungen. Ich habe nur ein Semester Germanistik im Nebenfach studiert und dabei die Literaturwissenschaftsgrundlagen und ein Seminar über Novellen belegt. Ersteres fand ich ehrlich gesagt enttäuschend, weil ich praktisch alles davon schon aus der Schule wusste und die letzten 12 Jahre Deutschunterricht einfach noch mal im Zeitraffer wiederholt wurden. Zwar logisch, dass sowas noch mal aufgefrischt werden muss, aber ich fand es echt langweilig, wenn ich ehrlich bin. Den Novellenkurs fand ich aber super, weil es eben wirklich nicht war wie in der Schule, wo einzelne Szenen auseinander genommen wurden, sondern allgemeiner darüber gesprochen wurde.
    Ansonsten studiere ich Anglistik im Kernfach und kann damit deine Erfahrungen praktisch genauso unterschreiben - nur eben auf englisch. Von der mittelalterlichen Sprache halte ich mich aber auch fern, seit ich den Grundkurs dafür hinter mir habe :D
    Das schlimmste sind aber wirklich die "und was machst du später damit?"-Fragen, auf die ich noch keine Antwort habe.

    Liebe Grüße!

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    1. Hey!
      Das ist sehr schade und komisch, dass es von Uni zu Uni so unterschiedlich ist! Aber vielleicht ist es auch ein Unterschied, ob es Kernfach oder Beifach ist? Stelle ich mir auch doof vor, wenn man nur altes Wissen wieder aufwärmt..

      Ach krass, dass das quasi genauso läuft! :D Aber dank historischer Sprachwissenschaft weiß ich jetzt auch, dass Englisch ja gar nicht so weit weg von Deutsch ist, wie man immer denkt ;D Finde so Sprachvergleiche auch immer sehr cool. Macht ihr sowas auch?

      Die Fragen sind echt schlimm. Am besten irgendeine Antwort zurechtlegen, die alle zufrieden stellt und gut ist :D

      Liebste Grüße zurück,
      Celine

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    2. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Unis finde ich auch krass. In diesem Fall macht man als Ergänzungsfächler quasi die gleichen Kurse wie im Kernfach, nur weniger.
      Ja, so einen kleinen Vergleich haben wir auch gemacht. Früher waren die gemeinsamen Wurzeln noch deutlicher. Das fand ich auch interessant. :)

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