Zukunftsangst - Wenn man nicht weiß, was man aus seinem Leben machen soll

Juni 07, 2017
„Du studierst Germanistik? Da wirst du aber keinen Job bekommen, das weißt du schon, oder?“. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz gehört oder gelesen habe und fast hätte es mich davon abgehalten, das Studium überhaupt zu beginnen. Und auch jetzt schleicht sich noch oft der bedrückende Gedanke ein, was ich eigentlich genau machen soll, wenn ich fertig bin. 




Zukunftsangst ist keine Seltenheit. Gerade nach dem Schulabschluss oder als Student einer Geisteswissenschaft ist es quasi vorgeschrieben, dass man durch so eine Phase hindurch muss. Was, wenn man sich den falschen Weg aussucht? Wenn man später keine Arbeit findet? Unglücklich sein wird?
Diese Ängste werden durch die ständigen Fragen von Eltern, Familie und Freunden nur noch verstärkt. „Was willst du nochmal nach dem Studium machen?“. Man mogelt sich um eine Antwort herum und zählt einfach nur theoretisch mögliche Jobs auf – denn eigentlich hat man keine Ahnung wohin mit seinem Leben.

Heutzutage haben wir wortwörtlich die Qual der Wahl. Wir können theoretisch alles lernen und arbeiten, allerdings scheint uns genau das zu überfordern, zu limitieren und zu lähmen. In vielen Foren liest man, dass Betroffene unter Schlafstörungen leiden, weil der Kopf zu voll ist. Sie verspüren eine ständige innere Unruhe und sind gereizt. Andere klagen über Übelkeit. Genau an dem Punkt war ich auch noch vor kurzem und ich kenne viele in meinem Alter, denen es ebenfalls so geht.

Im Gegensatz zu Tieren ist der Mensch in der Lage, vorrausschauend zu denken und die Zukunft zu planen, doch genau das scheint manchmal eher Fluch als Segen zu sein. Wir sind nämlich gleichzeitig auch besonders gut darin uns vorzustellen, was alles schiefgehen könnte.

Bei Zukunftsangst in Bezug auf Berufswahl ist es am Wichtigsten, sich klarzumachen, dass es kein perfekter, gradliniger Lebenslauf sein muss. Abbrechen, pausieren und umorientieren ist völlig in Ordnung und zeugt eigentlich von Stärke. Außerdem leben wir in keiner Gesellschaft mehr, in dem man einen Beruf erlernen und diesen bis zur Rente durchführen muss. Wir haben mittlerweile die Möglichkeit, uns ständig weiterzubilden und auch, uns in späteren Lebensjahren noch in einem anderen Lebensbereich auszubilden. Das ist doch was Großartiges! Selbst wenn man sich „falsch“ entscheidet und merkt, in seinem jetzigen Bereich wird man nicht glücklich, hat man IMMER die Möglichkeit, etwas Neues zu beginnen.
Man sollte versuchen herauszufinden, was man wirklich im tiefsten Inneren will, sich dann Ziele setzen und dafür arbeiten, denn manchmal ist das, was einen glücklich macht, vielleicht nicht der einfachste Weg – und trotzdem lohnt es sich dann.
Aber trotzdem sollte man sich auch bewusst sein, dass nicht alles geplant werden kann und soll. Manchmal muss man die Dinge auch einfach ihren Lauf nehmen lassen und man selbst sollte sich auf die Dinge konzentrieren, die einem in diesem Moment für richtig erscheinen, weil sie glücklich machen. Zum Beispiel das Fach zu studieren, dass einen einfach interessiert und erfüllt.

Es ist doch auch schön, nicht punktgenau zu wissen, was man bis an sein Lebensende tun wird. Denn irgendwie ist es halt doch noch ein Abenteuer. 


Bildquelle: Daria Nepriakhina

Kommentare:

  1. Sehr schöner Text, mehr muss man da gar nicht sagen 😄

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  2. Danke für den Beitrag, den brauchte ich gerade! Ich habe nach dem Abi angefangen, Anglistik zu studieren - eigentlich als Überbrückung, bis ich einen "richtigen" Plan habe. Der Punkt ist bisher aber nicht eingetreten und so stecke ich jetzt im 4. Semester und werde das Studium jetzt auch zu Ende machen. Was genau ich damit später tun kann, weiß ich noch nicht, aber ich mag es und finde es interessant und bin jetzt ohnehin schon zu weit um es einfach "wegzuwerfen." Solange ich noch nicht weiß, was ich in den nächten Jahren stattdessen mit meinem Leben machen möchte, ist es auf jeden Fall besser, als nur zu Hause zu sitzen und sich Sorgen zu machen.

    Liebe Grüße!

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    1. Hey!
      Freut mich, dass dir der Beitrag irgendwie zugute kam und eventuell helfen konnte :)
      Glaube an dem Punkt sind relativ viele Leute, die solche Fächer studieren wie wir!
      Aber wie gesagt - wenn man will findet man immer irgendwas.
      Dein letzter Satz hat mir sehr gut gefallen und aus der Seele gesprochen!

      Liebe Grüße zurück, danke für dein Kommentar :)

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  3. Hey Celine,
    ich studiere zwar ein Fach, in dem mein Weg eigentlich vorgezeichnet scheint, nämlich Jura, aber ich komme immer mehr davon ab, diesen klassischen Weg einzuschlagen - und das bedeutet auch für mich Zukunftsängste: Wie kann ich irgendwo quereinsteigen? Wie muss ich mich weiterbilden? Was für Möglichkeiten gibt es überhaupt abseits der bekannten Berufe? Fragen über Fragen und kaum befriedigende Antworten, außer "Alles ist möglich".
    Lass dich nicht unterkriegen!
    Liebe Grüße,
    Katharina

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