Buchblogger werden? 8 Erfahrungsberichte

6/11/2017



Ich erinnere mich noch gut daran, als mir zum ersten Mal in den Kopf kam, dass ein Buchblog irgendwie cool wäre. Aber ich fand kaum Erfahrungsberichte, wie es eigentlich ist, Buchblogger zu sein. Gibt es auch negative Aspekte? Genau das habe ich 8 Blogger gefragt, die sich freundlicherweise die Zeit genommen haben, mir ihre Erfahrung und die persönlichen Pros und Kontras des Bloggens aufzuschreiben. Vielleicht hilft dir das, den Entschluss zu fassen, ob ein Blog überhaupt etwas für dich ist. Außerdem lernst du hier schon mal ein paar sehr nette Menschen der Blogger-Community kennen:



Laura von „Lauris Leseecke“

Unter ihren Freunden fand sie keine Gleichgesinnte, die schauen sich lieber den Film an, statt das Buch zu lesen. Lesen und Schreiben fielen ihr hingegen schon immer leicht, weswegen sie sich oft „anders“ und wie ein Nerd fühlte. „und das war vor der Zeit, wo nerdig und ein Geek zu sein, cool war“, sagt sie. Auf Blogs und Instagram fand sie schließlich Gleichgesinnte. „Mir hat sich also eine völlig neue Welt eröffnet und ich war endlich unter gleichgesinnten. Hier konnte ich meine Liebe zu Büchern endlich mit anderen teilen.“
Obwohl sie anfangs Angst hatte, einen Blog zu erstellen, da es schon so viele große Blogger gibt, freut sie sich nun sehr, wenn sie dort nun Rückmeldung von Lesern und anderen Bloggern bekommt.
Ihr eigener Ehrgeiz macht ihr allerdings manchmal zu schaffen. Besonders die Rezensionsexemplare von Verlägen würde sie am liebsten alle gleichzeitig lesen und detailreich rezensieren, selbst wenn die Bücher nicht gut sind und sie sich beim Lesen quält. „Manchmal habe ich einfach Angst, dass mir dadurch die Freude zum Lesen abhandenkommt, weil ich das Gefühl habe die Bücher nur zu lesen um sie anschließend zu rezensieren, anstatt sie einfach aus Lust und mit Genuss zu lesen. Habe also quasi ab und zu das Gefühl, dass das Lesen eine Arbeit geworden ist, anstatt mein Hobby“, sagt sie. Ihr hilft es in solchen Phasen, einfach die Bücher von ihrem privaten SuB zu lesen, also die, auf die sie gerade Lust hat, ohne den Druck zu verspüren, eine gute Rezension dazu schreiben zu müssen.
Es ist ihr allerdings wichtig klarzustellen, dass der Blog und das Lesen ihr trotzdem sehr viel Spaß machen! Manchmal braucht man nur eben eine kleine Pause.
Ihren Blog findest du hier: http://laurisleseecke.blogspot.de/

 

Julia von „Julia’s Wunderland“
Auch ihr gefällt am meisten der Austausch mit anderen Bloggern und Lesern, den sie in diesem Ausmaß vorher nicht hatte. „Jemand hat meinen Text gelesen und möchte auch noch was dazu sagen! Wie toll ist das bitte?“, sagt sie dazu. Anfangs bloggte sie quasi nur für sich, bis sie merkte, dass Leser nicht vom Himmel fallen. Ihr Tipp an Neulinge ist daher „Vernetzt euch!“. Sie empfiehlt einen Instagram- oder Twitteraccount anzulegen und darüber aktiv mit anderen zu kommunizieren und an speziellen Aktionen wie „#litnetzwerk‘ teilzunehmen, aber auch einfach mal so auf anderen Blogs vorbeizuschauen. Ihr ist auch wichtig zu betonen, dass es egal ist, ob man zehn oder hundert Leser hat – wichtig ist, dass es Spaß macht.
Manchmal ist sie allerdings auch von der Buchblogcommunity genervt. Gerade in letzter Zeit gab es in den sozialen Netzwerken innerhalb der Community wieder heftige Diskussionen. „Es gibt diverse Beispiele dafür, dass nicht alle sachlich und konstruktiv Kritik abgeben können. […] Statt sachlich an die Themen ranzugehen und Ratschläge zu geben, wird gleich mit dem Finger auf einen gezeigt. Schlimmstenfalls bekommt man gehässige und sogar beleidigende Kommentare. Die Buchblogcommunity muss lernen, offener zu sein und konstruktive Kritik auszuüben, aber auch damit umzugehen.“
Trotzdem möchte sie das Bloggen um keinen Preis missen! Sie freut sich darauf, auf kommenden Veranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse, viele Menschen endlich persönlich zu treffen, die sie in der Buchblogcommunity kennengelernt hat.
Ihren Blog findest du hier: http://www.julias-wunderland.ch/

Emily von „Stopfi’s Bücherwelten“
Emily hatte einen holprigen Start: Nachdem sie mehrere Blogs und Booktuber entdeckt hatte, wollte sie ihren eigenen Blog auf Wordpress erstellen. Dort verstand sie anfangs aber nur Bahnhof und löschte ihn deswegen direkt wieder. Nach einem Monat setzte sie sich mit mehr Konzentration und Durchhaltevermögen hin und so wurde „Stopfi’s Bücherwelten“ geboren!
Sie freut sich über all die neuen Bekanntschaften, die sie machen durfte: „[…] es ist einfach schön, weil alle so...normal sind. Niemand ist abgehoben oder arrogant, am Anfang hilft man sich gegenseitig, später hilft man neuen Blogs“. Und mit denen kann man dann auch perfekt über das gemeinsame Hobby quatschen: „Man tauscht sich aus, fiebert gemeinsam auf ein Buch hin oder liest es am besten gleich noch zusammen.“
Sie spricht auch die Möglichkeiten an, die man eher als Blogger statt „nur“ als Leser bekommt – zum Beispiel viel mehr Kontakt zu Autoren und Verlagen, Presseausweise auf Veranstaltungen etc.
Wenn man sich so viel im Bücher-Universum aufhält, hat das aber natürlich auch Folgen: „Als erstes fällt mir zum Beispiel ein, dass man fast alle Bücher kennt, die auf dem Markt sind. In Buchläden kann ich deswegen schon fast gar nicht mehr unbedarft an ein Buch rangehen, weil ich immer x Meinungen im Kopf hab. Und auch unbekannte Buchüberraschungen hat man selten. Außerdem muss man sich bewusst sein, dass bloggen nicht nur ein "vor dem Computer sitzen", sondern ein ganz normales Hobby ist - wie Schwimmen gehen oder Klavier spielen. Deswegen braucht es Zeit - und wenn man regelmäßig bloggen will, muss man dafür eben auch eine gewisse Zeit einplanen.“.
Ihren Blog findest du hier: https://stopfisbuecherwelten.wordpress.com/

Larissa von „The Book Hubble“
Sie fing mal anders an: Nämlich durch einen Kurs an ihrer Uni, wofür sie einen eigenen Blog erstellen musste. Das hat ihr dann so viel Spaß gebracht, dass sie einfach dabeiblieb und es fortführte! Auch ihr gefällt der Austausch mit anderen über bekannte und neue Bücher am besten. „Ich schreibe außerdem immer schon sehr gerne und ich bin froh, dass ich durch meinen Blog das Schreiben sozusagen "üben" kann. Sonst würde man ja wahrscheinlich eher seltener dazukommen.“
Die größten Probleme machte ihr besonders am Anfang der Perfektionismus: „Wenn man so ein neues Projekt wie einen Blog anfängt kann das am Anfang ganz schön ausarten. Man will natürlich soviel wie möglich machen und alles so gut wie möglich und stresst sich dabei total selbst. Gerade ganz am Anfang bin ich deshalb immer weniger zum Lesen gekommen, was ja eigentlich im Vordergrund stehen sollte.“
Ihren Blog findest du hier: https://thebookhubble.wordpress.com/

Denise von „365 Seiten“
Bei ihr war es eine Spontanentscheidung mit dem Bloggen. „Ich fand die Idee, einen "Ort" zu haben, wo man nach herzenslaune über Bücher "sprechen" kann, einfach nur grandios. Außerdem hab ich schon immer Bewertungen von anderen Benutzern duchgelesen, bevor ich mir neue Bücher aussuchte, um ein wenig über die Bücher zu erfahren und heraus zufinden, ob sie etwas für mich ist.“
Nun freut sie sich über die ganzen neuen Bekanntschaften die sie kennenlernen durfte, aber auch über Bücher und Autoren, die sie so wohl nie entdeckt hätte. „Zudem finde ich es schön, wenn meine Rezensionen und Meinungen anderen Leuten beim Kauf eines Buches hilft. Mittlerweile weiß ich, dass Rezensionen schon viel Zeit einnehmen können und ich lese meine Bücher aufmerksamer als vorher, finde allerdings auch umso mehr Kritikpunkte, über die ich früher vielleicht drüber weggesehen habe. Ich bewerte meine Bücher anders, als noch vor einem halben Jahr, bin kritischer und manchmal auch schwerer zu überzeugen. Was schon anstrengend sein kann... Ein wenig Zeitmangel herrscht natürlich auch immer bei mir und das Bloggen hat nicht unbedingt positiv beigetragen, trotzdem würde ich immer wieder einen Blog starten.“
Ihren Blog findest du hier: http://365-seiten.blogspot.de/

Julia von „Booksdream Book Blog“

Julia hat ihre Rezensionen anfangs nur auf Intragram (@booksdream) veröffentlicht, bis sie sich einen eigenen Blog erstellt hatte, um dort ihre Liebe zum Schreiben und Lesen von Rezensionen noch weiter ausführen zu können. „Ich habe während meiner Zeit als Buchbloggerin nun schon sooo vielen wunderbare, kreative Menschen mit dem gleichen Hobby gefunden. Es ist einfach fantastisch!“ Sie ist so begeistert von diesem Hobby, dass sie mir gar keine negativen Punkte nennen kann! Ihr hat das Bloggen auch schon über schwere Zeiten hinweggeholfen: „Vor ein paar Jahren hatte ich ziemlich schwere, gesundheitliche Probleme, da hat mich das Bloggen so glücklich gemacht. Es motiviert und inspiriert mich täglich! Es ist das beste Hobby, das ich mir für mich selbst vorstellen kann. Ich gehöre zu den Teenagern, die es sich lieber mit einem guten Buch und einer heißen Tasse Tee auf dem Sofa gemütlich machen, anstatt Partys zu schmeißen.“
Ihren Blog findest du hier: http://booksdream.de/Blog/

Juliane von „I am Jane“
Sie ist schon ein alter Hase unter den Bloggern – seit 2011 postet sie regelmäßig auf ihrem Blog. Dort kann sie ihre Liebe zum Schreiben ausleben und genießt die Freiheit, ihrer Kreativität freien Lauf lassen zu können. „Es ist mein persönlicher Raum, meine Gedanken aufzuschreiben und zu teilen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man einen neuen Post veröffentlicht und man „sein Werk“ betrachten kann. Man kann durch seine eigenen Rezensionen stöbern und sich an schöne Leseerlebnisse erinnern.“ Sie fühlt sich sehr wohl in der Community, obwohl sie anmerkt, dass man sich manchmal unter Druck setzt, wenn man sieht, wie viel andere Blogger lesen und schreiben. „Vor 6 Jahren, zu Beginn meiner Bloggerzeit, hat mich das sehr unter Druck gesetzt. Mittlerweile bin ich da sehr gelassen, sodass es für mich eigentlich keine negativen Aspekte gibt.“
Sie merkt an, dass es sich bei einem Blog natürlich um eine Website handelt, die gepflegt werden will. „Zu Bloggen ist eins der schönsten Hobbys, man sollte aber auch Zeit investieren.“
Ihren Blog findest du hier: https://iamjane.de/

Anna von „Ink of Books“
„Ein Buchblogger zu sein hat gute, aber auch schlechte Seiten, dabei werden wir uns alle einig sein. Niemand kann behaupten, nur eins der beiden Extreme sei wahr.“ Auch ihr macht der eigene Ehrgeiz manchmal zu schaffen, so vergleicht man sich früher oder später nun mal mit anderen.
 „Allerdings kann ich hier natürlich niemandem etwas vormachen: Ich liebe es. Würden die schlechten Seiten überwiegen, wäre ich schon längst nicht mehr dabei, auf nimmer Wiedersehen. [Man hat] immer wieder tolle Momente: Wenn man einen erfolgreichen und gut ankommenden Artikel geschrieben hat, neue Follower hinzubekommt und natürlich Lob von anderen Bloggern!“ Außerdem liebt sie die Community und schwärmt ganz besonders von den Büchermessen, wo sie alle ihre Internetfreunde wiedersehen kann. „Es ist wie die größte und schönste Klassenfahrt der Welt!“
Ein Punkt ist ihr noch wichtig zu erwähnen: „Dass es Rezensionsexemplare gibt, ist natürlich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Vorab: Kein erfolgreicher Blogger wird nur wegen der Rezensionsexemplare Blogger. Mit dieser Einstellung kommt man nicht weit. Man wird vor allem Blogger, um seine komplexen Gedanken zu Büchern in die Welt hinaus schreien zu können, ohne sein Haus wirklich verlassen zu müssen. Daher ist es eine fantastische Erfahrung, sein erstes Rezensionsexemplar zu bekommen, sein erstes unangefragtes Rezensionsexemplar zu bekommen und einen immer besseren Kontakt zu Verlagen aufzubauen.“
Ihren Blog findest du hier: http://inkofbooks.com/


Anna spricht außerdem an, was du zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon gemerkt hast: Dass viele ähnlich darüber denken, „[…] weil wir uns eben doch alle mit denselben Dingen befassen, grundsätzlich über dieselben Dinge bloggen und unser Kreis doch so klein ist, dass jeder irgendwie jeden kennt.“


Ich möchte mich hiermit noch bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, mir teilweise extrem lange Texte zu schreiben! Es war wirklich unheimlich interessant, all eure Erfahrungen zu lesen und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Allerdings war es stellenweise schwer, alles kompakt zusammenzufassen. Ich hoffe ihr versteht, dass ich nicht die kompletten Texte wortgenau einbauen konnte – das hätte den Rahmen leider noch mehr gesprengt.
Wenn du noch Ergänzungen oder Fragen hast, ebenfalls deine Erfahrung und Tipps teilen willst oder einfach irgendwas anmerken willst, kannst du sehr gerne einen Kommentar hinterlassen!

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4 Kommentare

  1. Liebe Celine
    Der Beitrag ist wirklich toll geworden! Es ist doch immer wieder schön zu lesen was andere über die Bloggercommunity denken und wie alles angefangen hat. Ich denke gerade in solchen Zeiten wo es mal holprig wird und man sich nur noch anfeindet ist es schön wenn man daran erinnert wird wieso wir das ganze machen. :)
    Liebe Grüsse
    Julia

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  2. Hallo Celine,

    Wirklich ein toller Beitrag, der auch unterschiedliche Aspekte des Bloggens über Bücher beleuchtet. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Beitrag anderen bei der Entscheidung für oder gegen einen eigenen Blog hilft.

    LG, Moni

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  3. Huhu!
    Ein wirklich schöner Beitrag.
    Ich habe deinen Blog vorhin bei Twitter entdeckt und würde dir gerne per Mail folgen, vielleicht geht das ja mehreren Menschen so, sodass du das noch einrichten könntest? Dann verpasst man nichts. :)

    Liebe Grüße!
    Nicci von https://trallafittibooks.com/

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  4. Herrlicher Artikel - habe ich sehr gerne gelesen ... Ich blogge die famosen Buchnotizen (www.buchnotizen.de) seit zehn Jahren (seit Oktober 2007) über meine Leidenschaft und habe selbst im Verlag als Lektorin gearbeitet ;-), liebevolle Grüße, Tina

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